Voitsdorf und seine Bewohner

 

Am Dorfende fließt der Müglitz der Grenzbach zu. Er kommt von der Zinnwälder Flur und bildet ein Stücklang die Staatsgrenze, die mitten durch ihn geht. „Voitsdorf“ hatte damals ca. 600 Einwohner, Müglitz 150, die alle deutsche Bürger waren. Erst im Jahre 1919 kamen einige tschechische Grenzaufseher, später ein tschechischer Postmeister und ein Briefträger. Zur gleichen Zeit fand der Großteil der Bevölkerung seinen Verdienst in den Stroh- und Filzhutfabriken. Ein Teil waren Bauern, Kauf- und Wirtsleute. Der übrige Teil mußte den beschwerlichen Weg ins Tal machen, um das Brot zu erwerben.

Meist mittelgroß und nicht zur Fülle neigend, sind die Voitsdorfer arbeitsam, lebenslustig und lieben die Musik. Als die Fabriken recht im Gange waren, wurde wenig an die Zukunft gedacht und nicht gespart, sodass viele ältere Leute ein klägliches Dasein führen mußten. Fast alle Ortschaften in unserem Gebirge dürften im 11. Jahrhundert entstanden sein. Es ist jedoch nicht möglich zu erfahren, wann und durch wen sie gegründet worden sind. Vermutlich wurde unser Ort nach dem Namen des Lokators „Voit“ genannt?

Da Obergraupen um 1300 die Familie der „Spitzhüte“ hatte und am Brünnl lag, an dem der Weg nach dem Mückenberg führte, so ist anzunehmen, dass Voitsdorf am Bache Entstand und zwar zur selben Zeit. Die ersten Bewohner waren Bergleute, die in den Pochmühlen und Schmelzhütten arbeiteten. Der Lokator teilte das vorhandene Land in Huben, denen die heutige Wirtschaft entsprechen. So gingen die Menschen in iherer Arbeit auf, lebten ruhig und ein Geschlecht nach dem anderen verging, ohne dass uns eine Chronik davon etwas zu melden hätte. Einigemale wird der Ort „Voytsdorff“ im Graupener Bergbuch erwähnt, ebenso „Moglus“.

Als die Hussiten Graupen verwüsteten und raubend und mordend nach Sachsen zogen, so dürfte von unserem Dörfchen nicht viel übrig geblieben sein, da die Straße durch Voitsdorf führte. In der Reformationszeit kam der neue Glaube, der Protestantismus, von Graupen zu uns und zog siegreich ein. Bei dieser Lehre blieben sie.

Aber der schreckliche Krieg, der durch 30 Jahre Deutschland verheerte, ließ auch unser Dörfchen nicht aus. Wir wissen, dass die „Wolfgangskapelle“ verwüstet wurde und dass nur der steinerne Altar stehen blieb. Vom Mückentürmchen wollte eine schwedische Reiterschar die Bergglocke rauben und versuchte mit Axthieben den Balken an dem sie befestigt war, entzwei zu schlagen. Dies Vorhaben konnten sie nicht durchführen und wurden vertrieben. Die Axthiebe zeigen noch heute die Spuren.

Als der Krieg zu Ende war, war ein Großteil der Bevölkerung verschwunden. Ich las die im Jahre 1653-54 aufgestellte „Rolle“ für den Kreis „Leitmeritz“ im „Prager Museum“ und fand darin „Voitsdorff“ mit ca. 35-40 Einwohnern. Die Kommission, welche die Aufstellung vornahm, macht die Bemerkung: „Die Felder sind weniger gut“. Bei 3 Bewohnern  steht „Nicht katholisch“. Bei mehreren Wirtschaften ist bemerkt; „§“Öde“, die waren verlassen.

Der Kaiser hatte gesiegt und nun wurden die evangelischen Prediger vertrieben, Jesuiten wurden an ihre Stelle geschickt, um die Bevölkerung zum katholischen Glauben zu bekehren. Auch nach dem benachbarten Ebersdorf kamen 2 Geistliche. Die hatten aber hier im Gebirge keinen lerichten Stand. Erst im Jahr 1677 waren alle Bersdorfer katholisch. In Voitsdorf widersetzten sich die Einwohner und vertrieben  die Jesuiten mit Äxten. Im genannten Jahre 1677 waren in Voitsdorf noch 3 halsstarrige Weiber und in der Matrik fand ich im Jahr 1683 bei einem Todesfall vermerkt: war lutherisch. Weiter las is dort in der Sterbematrik verschiedentlich: so sich zu Tode gefallen (im Bergwerk), so tödlich verunglückt. Die Namen sind dieselben wie heute: Eichler, Schlosser, Lehnhart, Schmidt, usw.

Aus dieser Zeit ist uns noch eine Begebenheit bekannt: In die Mühle Nr. 1 sind in der Nacht Räuber eingebrochen und traktierten den Müller und seine Frau mit Schlägen. Der Müller gab an, dass er einen gewissen Dietze erkannt hätte. Der wurde nunmehr verhaftet und einem „peinlichen Verhör“ unterzogen. Nach mannigfachen Folterungen, wobei er stets seine Unschuld beteuerte, wurde er wegen Mangels an Beweisen freigelassen. Durch die unmenschliche Behandlung hatte er so gelitten, dass er ein Jahr danach starb.

„Voitsdorf“ gehörte als untertäniges Dorf dem Grafen Hossan und kam durch Kauf an die Herrschaft „Clary“ in Teplitz. Die Robotarbeiten mussten in „Wisterschan“ beim Schloßberg geleistet werden. Bei der großen Entfernung waren höchstwahrscheinlich diese Leistungen sehr zweifelhaft. Die spärlichen Bewohner arbeiteten im Schachte auf dem Mückenberg, oder in den Pochmühlen, die sich am Bache bis nach Müglitz befanen oder in Schmelzhütten, die bei der „Neumühle“ und in Müglitz waren.

Das Jahr 1813 brachte Truppendurchzüge und Kämpfe am Mückenberge und dem Walde gegen Obergraupen und Eichwald. Nach dem Napoleonkrieg grassierte ein „hitziges Fieber‘“, wahrscheinlich die Grippe und da einigte sich die Bevölkerung den „20. Jänner“ als „Gelöbnistag“ zu feiern.  Dieser Tag wurde bis in die letzte Zeit gehalten. Die Voitsdorfer und Müglitzer zogen in die Pfarrkirche nach Ebersdorf, wo am Abend in den Gasthäusern reichliche Unterhaltungen waren.

Nach den Schlachten von Kulm und Nollendorf kam Hungersnot, Mißwachs und Arbeitslosigkeit. Von der Herrschaft in Teplitz wurde wiederholt Brot und Getreide gespendet, dennoch lebten die Leute kümmerlich.

Als die Straße von Graupen nach Müglitz gebaut wurde, fanden Voitsdorfer, Ebersdorfer und Obergraupener einigen Verdienst. Von Sachsen her wurde das Strohflechten eingeführt und Groß und Klein saß im Stübchen beim Flechten, um für die wenigen Kreuzer zum Lebensunterhalt beizutragen.

Der Krieg von 1866 brachte wieder Angst und Furcht unter die Menschen. Von Ebersdorf her zogen einige Reiter nach Müglitz und von da nach Sachsen. Einige Tage bangen Erwartens, erschien eine Abteilung preußischen Millitärs, die in Ebersdorf blieben. Ihr Leutnant wohnte in der Pfarrei. Nach kurzer Zeit marschierten sie ab.

Durch Voitsdorf marschierten nach der Schlacht bei Königsgrätz preußische Truppen, die von Graupen kamen und ohne Aufenthalt weiter zogen. Zu Beginn des Krieges marschierten sächsische Jäger durch Voitsdorf mit fröhlichem Gesang. „Will sterben als ein tapferer Held“ erklang es, das Erste wurde ihnen reichlich beschieden, das Letztere nicht.

Nach langjärigen Verhandlungen bekam Voitsdorf eine Winterschule und in den 1870 er Jahren ein eigenes Schulgebäude. Die Strohhuterzeugung wurde eingeführt und eine Fabrik gebaut, der zwei weitre folgten. Fast aus jedem Hause waren Frauen und Mädchen darin in Arbeit.

1908 wurde in Voitsdorf ein Postamt errichtet und 1912 der Grundstein zu Kirche gelegt.

aufgezeichnet von Herrn Oberlehrer Ferdinand Geyer

 

 

 

 

 

 

 

 

Impessum

Kontakt